Netiquette - Der "Knigge" für das Internet

Fachhochschule München WS 95/96

Digitale Kommunikation - Dozent: Dr. Werner Eberl

Seminararbeit von Gunnar Gaubatz EL 04 1D
Matrikelnr: 061236950155


Inhaltsverzeichnis


0. Einleitung

Im Seminar Digitale Kommunikation wurde in vielfältiger Weise auf das Internet und seine Dienste eingegangen. Dabei wurden einige unterschiedliche Möglichkeiten erläutert, wie man dieses neue Medium nutzen kann. Es ist aber wichtig auch zu verstehen, daß das Internet kein Dienstleistungsunternehmen ist, bei dem man alles was möglich ist, auch tun darf. Denn schließlich sind die Hauptbestandteile des Netzes ganz klar die Benutzer selbst, da sie die eigentlichen Informationen überhaupt erst zugänglich machen. Diese Tatsache fordert vom Einzelnen ein gewisses Maß an Rücksicht gegenüber den übrigen Teilnehmern, was man als Netiquette bezeichnet.


1. Was ist Netiquette?

Netiquette setzt sich zusammen aus den Wörtern Network und Etiquette, und bedeutet wörtlich genommen soviel wie "guter Umgangston im Netzwerk".

Beim Stichwort Umgangston denkt man beinahe unweigerlich an das "1x1 des guten Tons", den Knigge. Und tatsächlich - es geht bei beiden Dingen um Vergleichbares. Man könnte also sagen, Netiquette beschreibt allgemeine Verhaltensregeln im Umgang mit einem Netzwerk (hier: Internet), so wie der "Knigge" Regeln für den gesellschaftlichen Umgang beschreibt.

Der primäre Unterschied liegt in der Tatsache, daß Netiquette keine klaren Regeln vorschreibt, wie man sich denn nun zu verhalten habe, sondern vielmehr Prinzipien bietet, nach denen gehandelt werden sollte um einen möglichst reibungsfreien Betrieb über das Internet zu gewährleisten. Letztendlich bleibt es also dem Benutzer überlassen, wie er sich verhält. Denn während im Internet (noch!) die totale Meinungsfreiheit herrscht, ist man außerhalb des Cyberspace fast immer einem gesellschaftlichen Zwang ausgesetzt. An dieser Stelle gleich noch ein Hinweis: Auch wenn im Internet generell Meinungsfreiheit gilt - lokale Netze (aus denen sich ja das Internet zusammensetzt) haben im Allgemeinen klar definierte Benutzerregeln, nach denen man sich besser richten sollte, will man nicht seinen Zugang zum Netz riskieren.

Desweiteren beinhaltet Netiquette nicht nur den direkten Umgang mit anderen Benutzern, sondern auch den indirekten über den Umgang mit den Resourcen des Internets.


2. Wie ist Netiquette entstanden?

Anders als andere Standards im Internet, wurde die Netiquette nicht von einem Konsortium ins Leben gerufen (wie zum Beispiel der HTML-Standard vom CERN), sondern ist im Laufe seiner Entwicklung durch seine Benutzer geprägt worden. Auch gab es lange keine Dokumente oder Textdateien, in denen diese Richtlinien dargestellt werden, bis sich vor ein paar Jahren Arlene H. Rinaldi die Mühe gemacht hat, diese in eine schriftliche Form zu bringen und öffentlich zugänglich anzubieten - unter anderem als WWW-Seite, zu finden unter:

http://www.fau.edu/rinaldi/netiquette.html

Vielmehr herrschte ein stilles Einvernehmen der einzelnen Benutzer darüber, wie man sich untereinander verhält.

Bedenkt man jedoch, wie schnell das Internet wächst, also wie viele neue User es gibt, die entweder noch nichts von Netiquette gehört haben, oder sich einfach nicht daran halten, scheint es schwierig, Verstöße gegen die "Spielregeln" zu ahnden, denn so etwas wie eine "Netzpolizei" gibt es ja nicht (obwohl mittlerweile einige Regierungen versuchen, das Netz unter ihre Kontrolle zu bringen). Für solche Fälle haben sich die "Netizens" (Net-Citizens = Netz-Bürger) eine effiziente Schutzmethode einfallen lassen: Das sogenannte "Flaming".

Wenn jemand gegen die Regeln verstößt, beispielsweise indem er an eine Newsgruppe einen Artikel schickt, in dem er die anderen Teilnehmer beleidigt, oder ähnliches, dann wird er "geflamed", d.h. sein eigenes Mailverzeichnis wird mit entsprechend heftigen Nachrichten überflutet, so daß er sich in Zukunft überlegen wird, was er schreibt. Wenn sein "Vergehen" vergleichsweise harmlos war, wird er natürlich nur dezent darauf hingewiesen, was er falsch gemacht hat. Im Allgemeinen gilt: Je schlimmer der Fehler, desto mehr Flames.

Die klassische Netiquette entwickelte sich zu einer Zeit, als der wichtigste Dienst des Internets ins Leben gerufen wurde: Electronic Mail. Anfangs wurden lediglich die grundlegenden Verhaltensregeln für den Briefverkehr von der "normalen" Post übernommen, z.B. Höflichkeit gegenüber Adressaten die man nicht genügend kennt, etc. Später kamen noch einige Erweiterungen hinzu, die sich zum Teil aus der Beschränkung der Nachrichten auf reinen ASCII-Code ergaben. So mußte man sich zum Beispiel Gedanken darüber machen, wie man gewisse Textstellen hervorheben kann, da Attribute wie Fettdruck, Kursivschrift oder Unterstreichungen, wie sie von Textverarbeitungen benutzt werden, in ASCII-Text nicht möglich sind (Lösung: z.B. durch Großschreibung, oder *eingerahmt* von Sternchen, etc.). Auch wurden Möglichkeiten erfunden, Gefühlszustände mittels sogenannter "Emoticons" (Emotion Icons =Gefühlszeichen) darzustellen:

 ;-)               :-(                 B^)

Daraus ergab sich natürlich eine insgesamt viel höhere Sensibilität für die Schreibweise einer Nachricht. So wird zum Beispiel Großschreibung außerhalb von šberschriften oder Hervorhebungen als SCHREIEN interpretiert, was unter Umständen eine beleidigte Antwort zur Folge haben könnte.


3. Warum Netiquette?

Da es im Internet bis auf die Administratoren der lokalen Netze keine "Ordnungshüter" gibt, kann es immer passieren, daß unsachgemäße Benutzung des Netzes eine starke Beeinträchtigung der Netzkapazität mit sich bringen kann - zum …rger vieler User. Aufgrund der steigenden Netzlast durch immer mehr Benutzer weltweit, macht sich so eine Beeinträchtigung natürlich auch immer stärker bemerkbar.

Oft geschieht eine unsachgemäße Benutzung auch einfach durch Unwissenheit des Users über das was er eigentlich genau mit dem Internet anstellt. Dieser Fall tritt vermehrt bei Benutzern von Online-Diensten auf, da diese oft zu wenig in die Materie eingeführt werden. Schonender Umgang mit den Resourcen ist hier nicht gefragt, da der Onlinedienst meist je nach übertragener Datenmenge verdient. Daher ist es wichtig, daß die Richtlinien der Netiquette neuen Benutzern möglichst gut zugänglich gemacht werden, da sonst in naher Zukunft ein Kollaps des Netzes droht.


4. Netiquette konkret:

4.1 Netiquette im Bereich Kommunikation:

Dieser Abschnitt bezieht sich in erster Linie auf die Dienste Electronic Mail und News (wobei sich die Richtlinien für News generell auch auf Mailing-Listen anwenden lassen).

4.2 Netiquette beim Umgang mit Resourcen:


5. Zusammenfassung

Zum Abschluß läßt sich sagen, daß Netiquette an sich nicht etwas bahnbrechend Neues ist, sondern vielmehr eine Fortführung der allgemeinen Verhaltensregeln, nach denen jeder von uns sein Leben lebt, natürlich angepaßt an die speziellen Eigenschaften des Internets. Wenn man ungefähr weiß, was das Internet ist, wie es funktioniert und wo seine Grenzen liegen, dann dürfte es auch nicht schwer sein, verantwortungsvoll damit umzugehen. Denn nur weil etwas machbar ist, heißt das nicht, daß es auch unbedingt gerne gesehen wird.

Diese Arbeit soll eine Anregung an alle Benutzer des Internets sein, sich darüber Gedanken zu machen, ob sie sich im Netz so verhalten, wie sie es sich auch von Anderen wünschen.


6. Quellennachweis


Gunnar Gaubatz - p4002dt@sunmail.lrz-muenchen.de - 7.2.96 11:00 pm